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Erfurt, den 21. Dezember 2010. Kein Drehbuchautor könnte die Geschichte der österreichischen Medici-Bank besser schreiben. Die Privatbank, die von der Wiener Investmentbankerin Sonja Kohn 1984 gegründet wurde, beschäftigte sich mit nationalen und internationalen Finanzdienstleistungen, Vermögensberatung und der Vermittlung von Wertpapiergeschäften und steht seit gut zwei Jahren unter der Anklage des gewerbsmäßigen Betrugs. Sonja Kohns Bankgeschäfte liefen gut. Im November 2008 belegte Kohns Privatbank sogar den ersten Platz bei „Germany’s Hedgefund-Award“. Gut vier Wochen später machte die Medici-Bank jedoch ganz andere Schlagzeilen: Die auf einem Schneeballsystem aufgebauten Fonds des amerikanischen ehemaligen Finanz- und Börsenmaklers Bernard Lawrence Madoff – bei Insidern „Bernie“ genannt – wurden von der Privatbank im Jahr 2007 in Milliardenhöhe verkauft. Für die Vermittlung der Madoff-Fonds erhielt die Bank rund 9 Millionen Euro Provision. Diese Summe stellte 2007 mit 70 Prozent das Hauptgeschäft der Bank Medici dar. Mit der Verhaftung Madoffs wegen des ersten wirklich globalen Betrugfalls der Investmentgeschichte Ende 2008 läuteten auch die österreichischen Finanzglocken Sturm. Madoffs Invsolvenzverwalter, der amerikanische Anwalt Irving Picard, behauptet, die Gründerin der Bank Medici sei Madoffs Komplizin und Seelenverwandte gewesen. Über das Geflecht der Fonds von Sonja Kohn, die zum Teil mit russischem Oligarchengeld, Investorenmitteln aus Südamerika und Israel gespeist wurden, sollen mehr als neun Milliarden US-Dollar dem Schneeballsystem Madoffs zugeführt worden sein. Picard verklagt deshalb Sonja Kohn und die Bank Austria, die 25 % der Bank Medici inne hatte, auf 19 Milliarden Dollar. Seit gut zwei Jahren beschäftigt sich nun die Staatsanwaltschaft Wien mit diesem Fall. Auch der Wahrheitsgehalt Picards Aussagen müsse noch geprüft werden. Momentan warten die Anwälte noch auf Unterlagen aus dem Ausland. Bis zu einer endgültigen Urteilsverkündung gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Sonja Kohn und die Bank Austria, gegen die wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche ermittelt wird, betonen stets, sie seien Opfer und nicht Täter. Nicht nur in Österreich wehrt man sich mit aller Vehemenz gegen die Klage des Madoff-Anwalts. Beim größten Anlagebetrug der Geschichte habe man nicht alleine gehandelt, so der Vorwurf Picards. Die Klage gegen Sonja Kohn, und deren Konzernmutter Bank Austria / Uni-Credit Mailand ist die bisher größte Schadenersatzklage in diesem globalen Betrugsfall. Der Erfinder des Schneeball-Fonds Bernard Lawrence Madoff wurde bereits im Juni letzten Jahres zu einer Freiheitsstrafe von 150 Jahren verurteilt.
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