|
|
|
| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (20.09.2007)

Einknickende Strommasten: RWE hat Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt

Verbraucherschützer bezweifeln, dass RWE seine Netze wirklich ausreichend gewartet hat. Das Management soll bereits seit 1994 gewusst haben, dass bis zu 20000 Masten nicht bruchsicher waren.

Laut Energiewirtschaftsgesetz sind die Energieunternehmen verpflichtet, die Sicherheit und Funktionsfähigkeit ihrer Stromnetze zu gewährleisten. Die Praxis scheint leider anders auszusehen: „Es ist mehr als zweifelhaft, dass RWE diese Verpflichtung in ausreichendem Maße eingehalten hat“, sagt Klaus Hagmeyer vom DVS Deutscher Verbraucher-Schutzring e.V. (i.G). „Schließlich waren dem Unternehmen die Materialmängel seit Jahren bekannt.“

So hatte der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Vorstandsberichte aus dem Jahr 2003 berichtet, dass bis zu 60 Prozent aller RWE-Hochspannungsmasten schwerwiegende Materialfehler aufgewiesen hätten. Laut internen Risikoanalysen des Unternehmens würden sie nicht einmal mehr 40 Prozent der normalen Zugbelastung standhalten. Dieses Problem sei schon seit 2000 bekannt. 2002 seien bei RWE sogar so genannte Worst-Case-Szenarien aufgestellt worden, nach denen es bei extremen Wetterlagen aufgrund der Materialfehler zu flächenhaften Mastumbrüchen kommen“ könne.

So soll RWE nach dem Zusammenbruch von 19 Strommasten bereits 1994 eine Studie beim Dortmunder Materialprüfungsamt in Auftrag gegeben haben. Das Amt kam zu dem Ergebnis, dass die Bruchfestigkeit des Stahls bis zu 40 Prozent unter den Sollwerten lag und potenziell mehr als 20.000 Masten davon betroffen seien.

Wirtschaftliches Kalkül?

Experten sehen das Problem nicht nur in Materialfehlern, sondern auch in mangelnder Instandhaltung. So hält der mittelständische Verband der Energie-Abnehmer (VEA) den Energiemonopolisten vor, sie hätten Gelder, die für die Stromversorgungssicherheit vorgesehen waren, stattdessen in Gewinne gesteckt. Die Verbraucher in Deutschland zahlen jedes Jahr 18 Milliarden Euro für die Stromnetze, davon landen aber nur 2 Milliarden tatsächlich in den Anlagen, so der Bund der Energieverbraucher.

Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt?

Verbraucheranwälte hegen die Vermutung, dass RWE zugunsten der Gewinne seine Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt hat. Der Blackout im Münsterland könnte für RWE deshalb noch viel teurer werden.

„Nach gängigen Zivilrechtsgrundsätzen hat RWE seine Verkehrssicherungs-pflichten verletzt und ist damit schadenersatzpflichtig“, sagt Klaus Hagmeyer vom DVS. „Es ist völlig klar, dass RWE im Rahmen der einschlägigen Haftungsnormen für Schäden der Stromkunden einstehen muss, allerdings bestreitet die RWE dies beharrlich. Damit werden die geschädigten Stromkunden im Unklaren darüber gelassen, dass sie nach den spezialgesetzlichen Vorschriften ihre bestehenden Ansprüche ‚unverzüglich’ anmelden müssen, damit diese nicht verloren gehen.“ Wie RWE selbst einräumt, handelt es sich bei diesen Schäden um zweistellige Millionenbeträge. „Es liegt die Vermutung nahe, dass sich die RWE auf diese Weise die Leistung von Schadensersatz ersparen will, indem sie später die Regulierung aus formalrechtlichen Gründen verweigert, weil die Schadensanzeige zu spät erfolgt sei“, so Hagmeyer. Darüber hinaus wird die Möglichkeit einer Strafanzeige gegen die Verantwortlichen geprüft.

 

Betroffene Anleger können sich ab sofort der Interessengemeinschaft RWE beim DVS Deutscher Verbraucherschutzring e.V. anschließen.

Die Aufnahme in eine DVS-Interessengemeinschaft kostet eine einmalige Gebühr von 70 €. Diese deckt die Verwaltungskosten des DVS ab und wird bei einer späteren Beauftragung der Rechtsanwälte in voller Höhe mit den Anwaltskosten verrechnet. Die Anspruchsprüfung Ihres Falles durch die DVS-Rechtsanwälte sowie die weitere Mitgliedschaft bleiben für Sie beitragsfrei.

<< zurück  

zurück | drucken | nach oben | Schriftgröße: normalmittelgross