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| aktualisiert am 17.08.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (20.09.2007)

R + W Vermögensmanagement - Anlagebetrug

Seit 1999 verkaufte die R+W Vermögensmanagement AG atypisch stille Beteiligungen mit einer Einlage ab 1.000 DM oder monatlichen Raten in Höhe von 50 DM über eine Laufzeit von 10 bis 40 Jahren. Dafür wurde den Anlegern eine geradezu fantastische Rendite von 8 bis 10 Prozent in Aussicht gestellt.

Vor diesen atypisch stillen R+W-Beteiligungsangeboten warnten Fachleute allerdings schon seit längerem. Eine aktuelle Liste unseriöser Geldanlagen des Verbraucherschutzvereins Berlin benennt die R+W AG explizit neben weiteren Anbietern stiller Beteiligungen. Und der Branchendienst kapital-markt intern bezeichnete die R+W-Anlagen schon vor sieben Jahren als „spekulative unternehmerische Beteiligung mit steuerlichem Anerkennungs- und wirtschaftlichem Totalverlustrisiko, bei dem sich uns nicht erschlossen hat, warum man ausgerechnet diesem Unternehmen sein Geld anvertrauen soll.“

Viel Freude an ihrem Investment hatten die Anleger tatsächlich nicht. Nach einem weitgehend von der Göttinger Gruppe übernommenen Anlegekonzept verwendete R+W einen Großteil der Einnahmen für ganz andere Zwecke. Nach den aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I wurden insgesamt 3,9 Millionen Euro eingesammelt, jedoch lediglich 10 Prozent davon investiert*. Die gesamten Anlegergelder aus den Jahren 1999 bis 2001 flossen in den Aufwand und die Vergütung der Veranstalter. Eine Mittelverwendungskontrolle wurde entgegen der Prospektaussagen offenbar erst im Oktober 2000 installiert. Erstmalig wurden 2003 Investitionen getätigt (Kauf von Investmentzertifikaten), nachdem die Strafverfolgungsbehörden schon ermittelten. Vorhanden sind jetzt noch gerade einmal 300.000 Euro.


Haftungsfragen

Der Bundesgerichtshof stellte darüber hinaus massive Plausibilitätsmängel des Anlagekonzepts fest (Urteil vom 21.03.2005, II ZR 149/03). Das eingesetzte Kapital verminderte sich zusätzlich dadurch, dass so genannte "Emissionskosten", vorwiegend Provisionen, zeitlich vorgezogen wurden. Zugleich wurde schon vom ersten Tag an eine "gewinnunabhängige Entnahme" von jährlich 10 Prozent versprochen.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Tatbestand des Anlagebetrugs erfüllt. Gegen die ehemaligen Vorstände Dr. h. c. Rainer Rebhan und Joachim Budjarek wurde bereits Anklage erhoben (Az. 314 Js 43185/00).*

Abgesehen von diesen Plausibilitätsmängeln versprach R+W den Anlegern eine Auszahlung des investierten Guthabens in Raten. Dafür ist seit 1998 jedoch eine Erlaubnis der Bankaufsichtsbehörde erforderlich, die R+W nicht besitzt. Dies spricht nach Ansicht des Deutschen Verbraucherschutzring (DVS e.V.) für eine bewusste Schädigung der Anleger. Und wer noch nach Mai 2000 investiert hat, hätte laut bayerischer Landeskriminalpolizei auf die äußerst geringe Wahrscheinlichkeit hingewiesen werden müssen, dass sich das Anlagekonzept tatsächlich verwirklichen lässt. Laut BGH-Urteil vom 21.03.2005 lassen sich hieraus Schadenersatzansprüche herleiten. Wer sogar nach Oktober 2001 noch Geld bei R+W angelegt hat, wurde schlichtweg betrogen.

Der DVS rät den geschädigten Anlegern, ihre Beteiligungsverträge von sachkundigen Anwälten überprüfen zu lassen, um mögliche Schadenersatzansprüche geltend machen zu können. 

 

* HINWEIS

Die Anklage gegen Herrn Dr. h.c. Rainer Rebhan wurde - nach Mitteilung seines Rechtsanwalts - mit Beschluss der 4. Strafkammer des Landgerichts München I vom 2.7.2007 nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts München hat dies mit Beschluss vom 20.11.2007 bestätigt.

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