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| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (20.09.2007)

Deutscher Verbraucherschutzring e.V. fordert:

"Strengere Aufsicht gegenüber Wirtschaftsprüfern und anderen Helfern".

 

Das Beispiel Leipzig West AG zeigt die mangelhafte Gesetzeslage.

 Erfurt/München, 20. Juni 2007

Viele Kapitalanlagemodelle funktionieren nur durch die Aufrechterhaltung formeller Anforderungen: Der Stempel auf dem Prospektprüfungsbericht oder das Testat auf der Bilanz täuschen dem Anleger eine Überprüfung von Wirtschaftlichkeit und Seriosität vor.

Die Wirklichkeit sieht jedoch manches Mal anders aus. Bestätigungen von Wirtschaftsprüfern werden in vielen Fällen aus Gefälligkeit bzw. eigenem wirtschaftlichem Interesse erteilt. Die negativen Beispiele aus der Vergangenheit sprechen eine deutliche Sprache: Hanseatische AG, Flowtex, Phoenix und viele weitere Beispiele lassen sich hier anführen. Nun auch die Leipzig West AG. Mehr als 30.000 Anleger verloren schätzungsweise 300 Mio. € an dieses „Schwindelunternehmen“. Obwohl der Drahtzieher Beträge zwischen 50 und 100 Mio. € aus dem Unternehmen entzog, erteilten die Wirtschaftsprüfer bedenkenlos das Testat für die Bilanzen. Ein Wirtschaftsprüfer soll sogar angeboten haben, gegen ein Zusatzhonorar von 8.000 € den nachträglichen Prüfungsvermerk auf die Bilanz anzubringen, als die Veruntreuungen schon nicht mehr kaschiert werden konnten. Diese Fakten wurden von der Rechtsanwaltskanzlei Mattil und Kollegen, München, in Erfahrung gebracht.

Peter Mattil, einer der DVS-Anwälte: „Die gesetzlichen Regelungen sind so konzipiert, dass der Prüfer für das Unternehmen tätig ist, nicht aber für die Anleger. Grundsätzlich besteht daher eine gesetzliche Haftung gegenüber dem Unternehmen, was den Anlegern die Rechtsverfolgung erschwert. Wir fordern deshalb, dass Wirtschaftsprüfer im Zusammenhang mit der Prüfung von Graumarktfirmen gegenüber den Anlegern ebenso haften müssen, wie zum Beispiel Vermittler und Berater.“

"Bis heute nehmen die Wirtschaftsprüfer ihre Prüfungstätigkeit auf die leichte Schulter“, so Anwalt Mattil weiter. „Wenn ein Prüfer weiß, dass mit seinem Testat Anleger geworben werden, muss er entsprechend streng haften.“

Dasselbe gelte übrigens auch für Aufsichtsräte. Auch die Aufsichtsratspflichten, nämlich die Prüfung des Vorstandes, werden in den seltensten Fällen konsequent wahrgenommen. Auch im Falle der Leipzig West AG hat der Aufsichtsrat die Machenschaften geduldet, ohne einzuschreiten.  DVS-Anwalt Mattil dazu: "Auch die Haftung von Aufsichtsräten gegenüber den Anlegern muss reformiert und auf lebensnahe Grundlagen gestellt werden.“


 

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