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| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (20.09.2007)

Festnahme und Durchsuchungen bei der „Private Commercial Office Inc.“ – Schaden in Höhe von mindestens 100 Millionen US-Dollar

Statt gewinnbringender Kapitalanlage nur ein banal-betrügerisches Schneeballsystem

Die Kunden glaubten, ihr Geld mit einer monatlichen Traumrendite von vier bis sechs Prozent anzulegen; inzwischen freilich sind sie unsanft aus diesem Traum vom schnellen Geld gerissen worden: Das Landeskrimi­nal­amt Baden-Württemberg spricht von einem „betrügerischen Kapital­anlagemodell“ der Firma „Private Commercial Office Inc.“. Allein für das Bundesgebiet und die Schweiz dürfte sich der durch die Firma verur­sachte Gefährdungsschaden im Bereich von mindestens 100 Millionen US-Dollars liegen.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ermittelt im Auftrag der Staats­anwaltschaft Mannheim gegen insgesamt sieben Tatverdächtige. Ihnen wird vorgeworfen, Kunden für die Firma mit Sitz in Cape Coral/Florida/USA vermittelt zu haben. Ein Tatverdächtiger aus dem ober­bayerischen Altötting wurde bereits festgenommen. Er soll als „Euro­pa­beauftragter“ der „Private Commercial Office Inc.“ die betrügerischen Kapi­talanlagen koordiniert und abgewickelt haben. Wie viele Personen letztlich geschädigt wurden, steht noch nicht fest.

Für die Ermittler des Landeskriminalamtes ist es unverständlich, dass es immer wieder und immer noch Kapitalanleger gibt, die bei dem Ver­sprechen, jährliche Zinsen in Höhe von 48 bis 72 Prozent der Anlage aus­ge­schüttet zu bekommen, nicht misstrauisch werden. Derart hohe Ren­diten sind aller Erfahrung nach schlichtweg nicht realisierbar, zu­mindest nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. Doch die Aussicht auf hohe Gewinne scheint viele Menschen zu blenden. Sie erkennen nicht, dass sie einem uralten Trick, dem so genannten Schneeballsystem auf­sitzen, bei dem die Zinsen und Provisionen (angeblich zwischen 12 und 40 Prozent für die in Deutschland tätigen Vermittler) mit den Geldern der Neuanleger – und eben nicht mit Zinsgewinnen – finanziert werden. Das mag einige Monate lang funktionieren, doch dann bricht das System zusammen – und die Drahtzieher sind mit dem eingezahlten Geld längst über alle Berge. So auch im vorliegenden Fall; Hier hat sich ein 46-jähriger Geschäftsführer bereits vor geraumer Zeit in die USA abgesetzt und zieht von dort aus die Fäden. Sein genauer Aufenthaltsort ist nicht bekannt; aber gegen ihn besteht ein internationaler Haftbefehl auch wegen anderer Betrugsdelikte.

Nach der polizeilichen Durchsuchung von einem Dutzend Wohnungen der sieben Tatverdächtigen in Baden-Württemberg, Bayern, Frankreich und der Schweiz konnte umfangreiches Beweismaterial in Form von PC-Anlagen, Datenträgern und Schriftstücken sichergestellt werden. Sie lassen das System erkennen, nach dem die Firma vorging, die seit etwa zwei Jahren, anfänglich in überregionalen Tageszeitungen, später überwiegend im Internat, um Kapitalanleger geworben hatte. Inzwischen wurde der Internetauftritt des Unternehmens gesperrt.

Es war ein hierarchisch abgestuftes System von Haupt- und Unterver­mittlern, die in Deutschland die Kapitalanlagen vertrieben – und die sämt­lich durch Provisionen von den Anlagegeschäften mit den Endkunden profitierten. Und das funktionierte so: Die Anleger mussten einen so genannten „Letter of Intent“ unter­schrei­ben und erklären, an einem Investment-Tradingprogramm teilnehmen zu wollen. In der Folge erhielten die Anleger ein so genanntes „Ioan agree­ment“, eine Darlehensvereinbarung in englischer Sprache mit der „Private Commercial Office Inc.“ als Darlehnsnehmer und dem Anleger als Darlehnsgeber. Als vermeintliche Garantie erhielt der Kunde danach eine so genannte „Promissory Note“ (Schuldschein) in englischer Spra­che, die angeblich von einem öffentlichen Notar in Florida/USA bestätigt wor­den war. Schließlich überwiesen die Anleger ihr Geld in US-Dollars ent­weder über die deutschen Vermittler oder direkt an eine Bank mit Sitz in Florida.

Durch diese Betrugsmasche wurden Spekulationsgewinne an der Börse im so genannten Daytrading vorgetäuscht – ein Börsengeschäft, das ohnehin mit sehr hohen Risiken verbunden ist. Beim Daytrading wird versucht, Gewinne an der Börse durch Tagesschwankungen von Aktienkursen beim An- und Verkauf zu erzielen. Dabei kann es allerdings auch zu Verlusten kommen. Hier freilich waren sie gleichsam vorprogrammiert, denn ein Schneeballsystem geht zwangsläufig schlecht aus. Irgendwann schmilzt der Schnee, nur Schmutz bleibt zurück; irgendwann zerplatzt die Seifenblase.

 

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