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| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (08.11.2007)

Die "sichere" Rente oder Der Securenta-Betrug

Die Vorgeschichte.

Die Göttinger Gruppe verkaufte ab Ende der 80er Jahre atypisch stille Beteiligungen an ihrem Unternehmen unter dem Namen „SecuRente“. Den Anlegern wurde versprochen, gegen monatliche Zahlungen oder auch Einmalzahlungen könne so eine entsprechende Alterssicherung aufgebaut werden, die auch noch steuerliche Vorteile bringe. Die mit dieser Geldanlage einhergehenden Risiken wurden bewusst verschwiegen.

Seit Sommer dieses Jahres sind die Göttinger Gruppe und die ihr angehörenden Unternehmen zahlungsunfähig. Über das Vermögen der Göttinger Gruppe Vermögens- und Finanzholding und der Securenta AG, den wesentlichen Unternehmen der Göttinger Gruppe, wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Nachdem schon seit Jahren durch Verbraucherschützer vor der Securenta AG gewarnt wurde, stehen die Anleger nun vor einem Scherbenhaufen. Betroffen sind nach Aussage der Insolvenzverwaltung ca. 300.000 Anleger, die Höhe der verlorenen Gelder ist gewaltig. Der Schaden beträgt nach Schätzungen möglicherweise über 1 Mrd. Euro.

Dem betroffenen Anleger, der als Stiller Gesellschafter oft seine gesamten Ersparnisse in die Securenta AG zur Altersvorsorge einzahlte, stellt sich die Frage nach dem Verbleib der Gelder und dem weiteren Werdegang.

Gefährliche Ratschläge der Verbraucherzentralen.

Ratschläge für die Anleger gibt es viele. Jedoch können einige, sollten sie beachtet werden, sogar zu noch größeren Problemen führen, als sie der Stille Gesellschafter schon hat. Ein Rat, der auch von den Verbraucherzentralen ständig propagiert wird, lautet: Abwarten.

„Genau dies ist falsch“, betont Philipp Beyer, Rechtsanwalt und Präsident des Deutschen Verbraucherschutzringes e.V. aus Erfurt. „Die Warnung der Verbraucherzentralen, kann nämlich letztendlich dazu führen, dass die Anleger noch mehr Geld verlieren. Entweder liegt hier eine Unwissenheit der Verbraucherzentralen im Insolvenz- und Kapitalanlagerecht vor, oder aber die Rechtsanwälte der Verbraucherzentralen haben hier ein starkes Eigeninteresse selbst die geschädigten Anleger zu vertreten“ erklärt Beyer seine Haltung.

Die Notwendigkeit sich aktiv um sein Geld zu kümmern, liegt nach Beyers Meinung in den Besonderheiten der Beteiligungskonstruktion der Göttinger Gruppe und der Securenta AG sowie im deutschen Insolvenzrecht.

So behandelt der Insolvenzverwalter der Securenta AG, Steuerberater Peter Knöpfel aus Hamburg, die Forderungen der Anleger auf Rückzahlung der eingezahlten Gelder als nachrangige Forderungen und verweigert die Aufnahme in die Insolvenztabelle.

Dass die Anleger, weil sie schon bei Eingehen der Beteiligung über das Risiko des Totalverlustes nicht aufgeklärt wurden, nun Schadensersatzansprüche gegen die Securenta AG haben, scheint der Insolvenzverwalter ignorieren zu wollen. Schadensersatzforderungen jedoch berechtigen zur Teilnahme am Insolvenzverfahren als Gläubiger, mit der Folge, dass man noch Geld aus der – soweit vorhandenen – Insolvenzmasse bekäme. Unternimmt der Anleger jedoch nichts, hat er auch keinen Anspruch gegen die Securenta AG.


Wie man noch mehr Geld verlieren kann.

Dieser Anspruch ist in einer weiteren Hinsicht äußerst wichtig. Denn der Insolvenzverwalter ist berechtigt und verpflichtet, alle noch ausstehenden Forderungen der Gesellschaft einzuziehen. Nun wurden an die Anleger in den vergangenen Jahren erhebliche Ausschüttungen gewährt, die gleichzeitig wieder bei der Securenta eingezahlt wurden. Das bedeutet: Der Anleger hat das Geld nie gesehen. Er ist jedoch nun, da die Ausschüttungen nicht durch Gewinn erwirtschaftet wurden, verpflichtet, diese an den Insolvenzverwalter zurückzuzahlen. Und der Insolvenzverwalter wird aller Voraussicht nach, die Gelder einfordern, da es sich in Summe um einen dreistelligen Millionenbetrag handelt.

Als weiterer Grund für Zahlungsforderungen der Insolvenzverwalter kommt hinzu, dass viele Anleger ihre vertragliche Verpflichtung zur Zahlung ihrer Gesellschaftereinlage nicht vollumfänglich nachgekommen sind oder mittels Stundungsabrede vorerst die weitere ratierliche Einzahlung stillgelegt haben. Auch hier ist zu erwarten, dass seitens der Insolvenzverwaltung eine Nachzahlung eingefordert wird.


Wer zahlt eigentlich den weiteren Verlust?

Diesem Zahlungsbegehren des Insolvenzverwalters kann nur dann entgegengetreten werden, wenn die Schadensersatzforderung prüffähig im Insolvenzverfahren angemeldet wurde. In diesem Falle wäre eine Aufrechnung mit der eigenen Forderung denkbar. Da jedoch nur mit einer fälligen Forderung aufgerechnet werden kann, ist dieses Vorgehen nur Anlegern möglich, die tatsächlich ihre Forderung vorher angemeldet haben. Wer jedoch wie von den Verbraucherzentralen empfohlen abgewartet hat, hat nicht nur keinen Anspruch gegen die Insolvenzmasse, er zahlt möglicherweise auch noch die nie erhaltenen Ausschüttungen an den Insolvenzverwalter zurück und hat die Möglichkeit der Aufrechnung verloren. „Ich kann deshalb die Aufforderung der Verbraucherzentralen an die Anleger, abzuwarten, nicht verstehen. Hier wird leichtfertig mit dem Geld von bereits geschädigten Anlegern umgegangen“, erklärt Philipp Wolfgang Beyer. „Und wer kommt eigentlich für die Verluste durch falsche Ratschläge auf?“


Wie hilft der DVS?

Es ist also wichtig, so der DVS-Präsident, die eigene Forderung richtig anzumelden. Dies ist im Falle der Securenta AG bis zum 30.11.2007 ohne weiteres möglich. Die Anmeldefrist wurde entsprechend verlängert.

Wer sich jedoch nicht zutraut, die durchaus schwierigen Berechnungen selbst durchzuführen, dem steht der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. mit seinen Vereinsanwälten hilfreich zur Seite. Gegen eine geringe Pauschale erhält der Anleger hier zunächst eine fundierte Analyse seiner Situation anhand seiner Unterlagen. Schon die Erstberatung beim normalen Anwalt würde hier mit bis zu 190 Euro zu Buche schlagen. Bei Bedarf würden dann die Vereinsanwälte die Forderungsanmeldung durchführen. Die hierdurch anfallenden Kosten sind nicht höher als andernorts. Nur durch das rechtzeitige Tätigwerden können die Anleger ihren Anspruch im Insolvenzverfahren sichern und die Ansprüche des Insolvenzverwalters abwehren – denn wer nichts tut verliert.

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