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| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (26.11.2007)

Sechst Jahre Haft für VIP-Filmfondschef

Schock für Anleger: Statt Steuerersparnis Nachzahlungen in Miliionenhöhe

Eine Zusammenfassung der Ereignisse um den VIP-Medienfonds

Das Gericht spricht von einem der größten Steuerhinterziehungsferfahren in der Geschichte der Bundesrepublik: Weil er den Fiskus um rund 250 Millionen Euro betrogen haben soll, verurteilte das Landgericht München am Dienstag (13. November) den Gründer des VIP-Medienfonds, Andreas Schmid, zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe; sein Kompagnon und Geschäftsführer Andreas Grosch kam mit zwei Jahren Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, davon. Schmids Anwälte haben inzwischen Revision beim Bundesgerichtshof angekündigt.

Ungewöhnlich an dem Fall ist, dass sich die beiden Manager Schmid und Grosch nicht selbst bereichert hatten. Sie hatten vielmehr zu Gunsten der rund 11 000 Anleger, die sich mit insgesamt 630 Millionen Euro an zwei Filmfinanzierungsfonds (VIP Medienfonds 3 und VIP Medienfonds 4) beteiligten, Steuern zurückgehalten. Da das Gericht davon ausgeht, dass die betroffenen Fondsanleger „nicht gerade minderbemittelt“ seien (so Richterin Huberta Knöringer), bestünden für den Fiskus gute Aussichten, die Steuernachforderungen erfolgreich einzutreiben. Das mag auch einer der Gründe dafür gewesen sein, dass Schmid nicht wegen besonders schwerer, sondern lediglich wegen einfacher Steuerhinterziehung verurteilt wurde.

Der Trick, mit dem die Anleger eigentlich Steuern hätten sparen sollen, war im Prinzip denkbar simpel. Das Geld der Anleger wurde nicht, wie den Steuerbehörden vorgegaukelt, zu 100 Prozent, sondern lediglich zu 20 Prozent tatsächlich in Filmproduktionen gesteckt. Die übrigen 80 Prozent legte Schmid auf Festgeldkonten an, wo das Kapital nach Ablauf der Fondsfrist dank der Zinsen wieder auf 100 Prozent der ursprünglichen Summe anwuchs. Schmid konnte den Anlegern also neben der Steuerersparnis eine sichere Rückzahlung garantieren – völlig unabhängig davon, ob die Filme nun ein Erfolg oder ein Flop wurden. Von einem unternehmerischen Risiko, eigentlich eine der Voraussetzungen für Verlustzuweisungen aus Filmproduktionen, konnte somit keine Rede sein.

Schmids Fehlverhalten lag nun darin, dass er die gesamte Summe (und nicht nur die 20 Prozent) beim Finanzamt als Betriebsausgaben deklarierte, was den Anlegern wiederum steuermindernde Verlustabschreibungen ermöglichte. Von Betriebsausgaben konnte jedoch nach Auffassung des Gerichts jedoch nicht gesprochen werden, weil er das Geld ja gar nicht ausgegeben, sondern es zins- und gewinnbringend auf Sparkonten gebunkert hatte.

Die Anleger, die sich große Steuerersparnisse ausgerechnet hatten, müssen jetzt also erhebliche Nachzahlungen an die Finanzämter leisten. Ihre Chance, den seinerzeit erhofften Steuervorteil doch noch zugebilligt zu bekommen, wird von Experten als vermutlich nahezu aussichtslos eingeschätzt. Ebenso vergeblich dürfte die Hoffnung sein, die verurteilten Fondsmanager Schmid und Grosch zur Kasse zu bitten, zumal die meisten Ansprüche bereits verjährt sind: Der Medienfonds Nr. 3 etwa wurde in den Jahren 2002 und 2003 angeboten.

Bleibt noch die Möglichkeit, gegen die Vertreiber der Fonds zu klagen, also die Banken in Regress zu nehmen, die Schmids Produkte unter die Leute brachten. Sie nämlich hatten das Steuersparkonzept der Fondsgesellschaft ihren Kunden offenbar als sicher verkauft, statt sie auf das Risiko hinzuweisen. Hier also ließe sich für die Anleger noch ein Hebel ansetzen.

Ende 2005 wurde das Steuersparmodell Medienfonds übrigens von der Bundesregierung ganz abgeschafft. Für die Anleger freilich ist die späte Erkenntnis der Politiker, wonach Verluste aus Steuerstundungsmodellen wie Medienfonds oder – bekannter noch – Schiffsbeteiligungen nur noch mit Gewinnen aus derselben Einkunftsquelle gegengerechnet werden dürfen, keine Hilfe mehr, nicht einmal ein Trost.

Sollten Sie selbst Probleme mit dieser Gesellschaft haben, können Sie sich jederzeit auch an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne weiter. Siehe dazu unsere Rubriken unter „Der DVS“

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