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| aktualisiert am 29.05.2018

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)
  (12.03.2008)

Britische Forscher verweisen auf erhöhtes Herzinfarkt-Risiko

Deutscher Verbraucherschutzring warnt: Akute Lebensgefahr durch Bankenkrisen

 Erfurt/Cambridge, 12. März 2008. Bankenkrisen schaden nicht nur der Wirtschaft und den Kunden, sie stellen auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Betroffenen dar. Soziologen der Cambridge University in Globalization and Health haben in einer aktuellen Studie aufgezeigt, dass eine solche Krise sogar Tausenden von Menschen das Leben kosten kann.

Es ist das erste Mal, dass in einer wissenschaftlichen Erhebung versucht worden ist, einen Zusammenhang zwischen Bankenkrisen und Herzinfarktrisiko nachzuweisen. Bislang betrafen derartige Untersuchun­gen nur die Auswirkungen anderer Katastrophen wie beispielsweise Erdbeben, Terroranschläge und natürlich auch Kriege.

Für geprellte Anleger freilich können Bankenkrisen durchaus die Qualität von Naturkatastrophen besitzen. „Menschen, besonders ältere Menschen, die um ihre gesamten Ersparnisse bangen müssen, die mög­licherweise auf einen Schlag ihre mühsam aufgebaute Alterssiche­rung und damit jegliche Zukunftsperspektive verlieren, geraten zwangsläufig in Stresssituationen. Dass dies dann zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko führt, klingt für mich keinesfalls abwegig“, meint Claudia Lunderstedt-Georgi, die Geschäftsführerin des Deutschen Verbraucher­schutz­rings e.V. (DVS).

Die Ergebnisse der Cambridge-Studie belegen dies eindrucksvoll: Selbst in Industrieländern, in denen eine soziale Absicherung der Menschen vorhanden ist, steigt die Zahl der Herzinfarkte im Jahr einer Bankenkrise um durchschnittlich 6,4 Prozent. In Entwicklungsländern wie Indien, wo eine solche Krise auf Grund des fehlenden sozialen Netzes in nackte Existenznot führt, steige die Zahl der Herzinfarkte in Krisenjahren sogar um durchschnittlich 25 Prozent.

In der Studie der Cambridge-Wissenschaftler wird die Herzinfarkt-Mortalität bei Bankenkrisen in absoluten Zahlen hochgerechnet. Wenn man die belegte Zahl von 50 000 Menschen zugrunde lege, die in Großbritannien jährlich an den Folgen eines Herzinfarktes sterben, und sie mit der Steigerungsrate von 6,4 Prozent bei Bankenkrisen vergleicht, so kommt man auf 3 200 zusätzliche Todesfälle. Die Zahl könne sogar bis zu 5 000 betragen, behaupten die Forscher.

„Hier zeigt sich, dass verantwortungslose Bankenmanager nicht nur mit dem Geld der Anleger spielen, sondern auch das Leben der geschädigten Anleger aufs Spiel setzen,“ betont Claudia Lunderstedt-Georgi, Geschäftsführerin des Deutschen Verbraucherschutzrings e.V.

Anlass und Auslöser für die Studie waren beim Wissenschaftler-Team die Fernsehnachrichten: die Bilder langer Menschenschlangen überwiegend älterer Sparer vor den geschlossenen Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock. Den Menschen waren die Sorge, die Angst und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Dass eine solche Extremsituation körperliche Auswirkungen haben müsste, wurde den Beobachtern auf einen Schlag klar.

Nun wollten sie es genau wissen. Sie erhoben im ersten Schritt Daten zur „kardiovaskulären Mortalität“ und verglichen diese in einem zweiten Schritt mit Daten der Weltbank zu Bankenkrisen. Das Ergebnis war ebenso eindeutig wie erschreckend – und letztlich sogar zu erwarten. Dass nämlich Stress zu einem erhöhten Infarktrisiko führt, ist seit langem bekannt: Selbst bei der Fußballweltmeisterschaft waren die Werte signifikant angestiegen.

Der DVS e.V., der sich seit seiner Gründung als private Verbraucher­schutz­ver­einigung gezielt für die Interessen geschädigter Ver­braucher und geprellter Kapitalanleger einsetzt, sieht sich durch die Stu­die in seiner Arbeit bestätigt. Ihm geht es darum, die Anliegen der Ge­schä­digten gerade gegen wirtschaftlich starke Großschadensverur­sa­cher durchzusetzen. „Dass wir hierbei möglicherweise auch noch einen Beitrag zur Bevölkerungsgesundheit leisten, war den Gründern der Organisation freilich nicht bewusst. Unsere Arbeit hat allerdings damit noch mehr an Notwendigkeit gewonnen“, erklärt Claudia-Lunderstadt-Georgi, Geschäftsführerin des Deutschen Verbraucherschutzrings e.V.

 

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